Take a Chance on me – sich selbst und dem eigenen Leben eine Chance geben

Vor einigen Tagen hörten wir im Bus unterwegs durch Sardiniens wunderschöne Landschaft das Lied „Take a Chance on me“ von ABBA. Ich liebe dieses Lied!

Wir grölten ausgelassen mit und tanzten so gut es eben in den Autosesseln ging dazu herum.

Dieses Lied löst immer wenn ich es höre unzählige Emotionen in mir aus, denn es erinnert mich an eine Zeit, als mir das Leben noch viel schwerer vorkam.

Damals…

Ich machte gerade während meines Bachelors ein Praktikum in einer Arbeitsgruppe an der Uni und wir hatten Weihnachtsfeier.

Wir trafen uns in einem der großen Besprechungsräume, aßen Pizza und sangen über den großen Beamer mit der Playstation Karaoke. Und ich sang dieses Lied.

Dass ich mich überhaupt traute zu singen, war schon ein großer Schritt für mich!

Trotzdem war ich zu dieser Zeit noch sehr befangen, zu befangen um einfach ich selbst zu sein.

Ich fühlte mich so unsicher, den anderen, selbstbewussteren Praktikanten so unterlegen.

Die Mädchen waren hübscher, die Jungs erfolgreicher als ich – so dachte ich damals. Ich fühlte mich als graue Maus, die in den vielen bunten Farben der anderen unterging.

Wie gerne hätte ich auch einfach ausgelassen gefeiert, aber ich traute mich nie so recht.

Es einfach laufen lassen – wie geht das?

Ich habe schon früh gelernt zu tanzen, wenn meine Mama und ich zu Lambada und anderen Songs durchs Wohnzimmer gewirbelt sind.

Aber außerhalb meines zu Hauses konnten mein Kopf und mein Körper immer erst richtig miteinander kommunizieren, wenn ich zwei, drei Gläser Sekt intus hatte.

Erst da verlor ich die Angst etwas falsch zu machen, vergaß ob ich mich beobachtet fühlte und konnte mich etwas fallen lassen.

Es war nicht so, dass ich eine Spaßbremse war, ich wollte Spaß haben, aber ich wusste nicht so richtig wie.

Es schien mir immer, als würden sich alle, die nicht so befangen waren, irgendwie besser amüsieren als ich.

Ich fuhr mit angezogener Handbremse durchs Leben, kam nicht richtig in Schwung. Dabei wollte ich doch so gerne frei und ausgelassen sein, das Leben feiern und einfach nur glücklich sein.

Die Wende kam mit dem Begreifen

Warum fühlte ich mich immer wie ein Mensch zweiter Klasse, einer der nicht richtig dabei ist, der immer nur zusieht?

Nicht, weil die anderen mich ausgegrenzt hätten. Ich war es selbst, die sich abgrenzte, zurückzog und ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich es nicht schaffte, selbstbewusster zu sein.

Dass man dieses Selbstbewusstsein, diese Selbstliebe nicht über Nacht anknipsen kann, habe ich mittlerweile begriffen.

Es gibt keinen Kippschalter, vielmehr einen Dimmer. Und ich finde fast 10 Jahre später ist mein Dimmer schon recht nah an seiner maximalen Leuchtkraft angelangt 🙂

Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, ihn immer heller zu drehen, immer mehr zu mir selbst zu finden und vor allem das, was ich da gefunden habe, anzunehmen.

Erst seit ich eine liebevolle Beziehung zu mir selbst führe und mich nicht mehr über die Beziehungen im Außen, also zu anderen Menschen und über Statussymbole und Normen definiere, habe ich nach und nach gelernt, dass ich okay bin, so wie ich bin.

Dass ich nur Menschen um mich haben möchte, die mich mögen und okay finden wie ich bin. Und – welch Überraschung – diese Menschen gibt es sogar!

Diese Menschen gibt es seit meiner Geburt, meine Familie. Ich habe Freunde, bei denen ich einfach ich selbst sein darf, mit allen lachenden und weinenden Gesichtern, die ich zu bieten habe.

Und ich traue mich immer mehr, mein “wahres Gesicht“ auch im alltäglichen Leben zu zeigen, in der Arbeit, auf der Straße, im Yoga.

Im Yoga legt man sich selbst frei

Das Yoga war sogar ein ziemlicher Booster für mich, ich selbst zu sein. Als Schülerin auf der Matte, aber auch als Kursleiterin ganz vorne stehend.

Wenn man sich mit Herz und Seele in eine Yogastunde fallen lässt, kann da schon mal die ein oder andere Träne fließen, weil man einen wunden Punkt in sich berührt.

Es kann aber genauso gut eine Freudenträne sein, weil man an sein persönliches Glück erinnert wird.

Die eigenen Gefühle als Yogalehrerin außen vor zu lassen – vergiss es! Hierbei bin ich mir viel zu nah, als dass ich mich vor einem Teil meiner selbst verschließen könnte.

Und es war ein ganz wichtiger Schritt für mich, all diese Gefühle zuzulassen und eben einfach ich zu sein. Nicht die mit den ewigen Problemen, als die ich mich lange selbst verurteilt habe, sondern einfach nur ich.

In der Yogatherapie Ausbildung war dann plötzlich ganz viel Platz, die ewigen Probleme anzuschauen und irgendwann sagte eine leise Stimme in mir: jetzt ist es gut. Und die ewigen Probleme verschwanden nach und nach.

Selbstwirksamkeit – eines meiner neuen Lieblingsworte

Mit ihrem Weggehen kam eine mir unbekannte Freiheit einher, eine Unbekümmertheit. Ein Wissen, dass neue Probleme auftreten werden, aber dass ich nun viel besser damit umgehen und mich nichts mehr aus der Bahn werfen kann.

Und dass es endlich an der Zeit ist, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen! Wenn ich etwas haben will, muss ich mich selbst darum kümmern!

Anstatt auf den Ritter in der goldenen Rüstung zu warten, selbst aufs Pferd steigen und die Burg erobern!

Und mir die Dinge in mein Leben holen, die ich dort haben will. Mich von Dingen und Menschen trennen, die mich nicht glücklich machen.

Mich endlich selbst an die erste Stelle stellen, denn sonst wird es auch kein anderer tun! Der einzige Mensch, der immer da sein wird, vom ersten bis zum letzten Atemzug, bin ich selbst.

Daher liegt alles in meiner Hand. Und ich muss gut auf mich aufpassen.

Ein Weg ohne Ziel

Es war ein langer Weg mit vielen Vors und Zurücks, mit vielen Abers. Unzählige Tiefschläge und Glücksmomente liegen hinter mir.

Ein Weg, auf dem es kein Ziel gibt, sondern immer nur wieder einen neuen, sich verändernden Weg.

Ein Weg, an dessen aktueller Stelle ich bei jeder Feier immer die Erste auf der Tanzfläche bin, und das völlig nüchtern 🙂 und ich einfach tanze und lache und es mir völlig egal ist, ob mich jemand dabei doof anglotzt!

Solange ich mit meinem Verhalten niemanden verletzte, gilt für mich immer: life is meant to be enjoyed, ich will Spaß haben und mein Leben genießen so gut es geht, jeden Tag!

 

Diese ganze Reise, die ich euch eben beschrieben habe, durchlebe ich jedes Mal in den drei Minuten, die der ABBA-Song dauert, deswegen berührt er mich so.

Er zeigt mir, wie viel sich in meinem Leben verändert hat und was alles möglich ist! Wie viel losgelassener und fröhlicher ich geworden bin in den letzten 10 Jahren, und dass ich auf einem verdammt guten Weg bin 🙂

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